Willkommen in Deutschland!

„Das Boot ist voll, wir müssen gegen den Asylbetrug und die Wirtschaftsflüchtline vorgehen. Wer wirklich bedroht ist, dem gewähren wir gerne Asyl, alle anderen sollen schnell wieder abgeschoben werden.“ – Schon mal gehört?

Da wabern Shitstorms durch das Social Web, Politiker üben sich in kaum versteckter geistigen Brandstiftung und besorgte Bürger sorgen dafür, dass Menschen, die nicht hier geboren wurden, kaum noch auf die Straße gehen wollen. Implizit gibt es im öffentlichen Diskurs eine Art Reihenfolge und Einstufung. Da gibt es „gute“ und „schlechte“ Ausländer. Die „guten“ sind die Einwanderer, die hierher ziehen um hier in hochqualifizierten Jobs zu arbeiten, dann kommen Flüchtlinge, die zuerst hier ankommen (kaum einer), dann kommen hier geborene Menschen mit Migrationshintergrund…  Ganz übel hingegen sind Asylbetrüger (wie geht das eigentlich, Asylbetrug?) und Wirtschaftsflüchtlinge. Pfui. Die wollen doch nur unsere tollen Sozialleistungen abgreifen und faul rumhängen!

Der Deutsche Michel kann zwischen all denen nicht unterscheiden, sind ja alles irgendwie Ausländer. Wenn die dann noch dem Islam anhängen, dann fühlt er sich obendrein in kultureller Identität und durch die islamisch-terroristischen Brutzellen bedroht. Brrrrrr.

Mir wird da immer ganz anders.

Jenen, die den Verlust ihrer Heimat, Kultur und Identität an Einwanderer befürchten will ich die Frage stellen ob ihre Kinder heute noch dieselben Dinge tun und die selbe Sprache sprechen wie die Jugend vor 30 Jahren? Nein? Ist das nicht auch Verlust von Heimat, Kultur und Identität?
Ich lade ein zu einer Reise in den Schwarzwald, das Erzgebirge oder den Bayrischen Wald. Unterhaltet Euch dort mit den Senioren und überlegt Euch wie viel sich seither verändert hat… Allein zwischen zwei Dörfern in Bayern zu wechseln sollte auch schon deutlich vor Augen führen, dass es „die Heimat“ so eigentlich gar nicht gibt. Kultur oder Identität sind Konstruktionen der Beteiligten. Anderes Personal + Anderer Ort = andere Heimat, Kultur, Identität. So einfach ist das tatsächlich.

Jenen, die Überfremdung befürchten, will ich die Frage stellen woher sie selbst denn ihrer Meinung nach stammen und warum sie sich nicht fremd fühlen? Überfremdung impliziert ja „das Fremde“. Dem kann man begegnen indem man sich kennenlernt um Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ein aufgenommener Fremder wird sich der neuen Umgebung anpassen, die neue Umgebung wird Interessante Ideen übernehmen und gemeinsam entsteht etwas Neues. Das ist seit Jahrtausenden so. Warum meinen wir heute, die Dinge wären weniger in Bewegung oder sollten es weniger sein? Wir alle waren irgendwann Einwanderer.

Heimatverlust und Überfremdung sind überhaupt seltsame Konzepte. Letztlich definiert sich diese Heimat und das Vertraute durch zwei Parameter: Wo waren meine Eltern zum Zeitpunkt meiner Geburt und in welcher Umgebung zogen sie mich auf. Woher nehmen wir eigentlich das Recht, ein Land in das man streng genommen selbst eingewandert und eingeboren wurde anderen vorzuenthalten?

Bleibt noch die letzte Angst: „Die“ könnten „uns“ irgend etwas wegnehmen, zu viele Kosten verursachen, unseren Wohlstand aufbrauchen…
Newsflash: Würden wir diese Menschen mit offenen Armen empfangen, ihnen helfen und eine echte Chance einräumen hier ihr eigenes Glück zu versuchen, dann entstünden auch weniger Kosten. Lasst Menschen, die hier sein wollen bei uns leben, arbeiten und lieben! Sie werden uns bereichern und beitragen und Deutschland als ihre Heimat ansehen. Je mehr wir uns mischen, desto weniger fremd und bedrohlich sind „die anderen“.

Wir müssten uns dafür umgekehrt nicht irgendwann von unseren Enkeln fragen lassen, warum wir lieber Abschiebelager gebaut haben, Menschen auf der Straße beschimpften, Asylbewerberunterkünfte mit braunem Terror überzogen und Menschen im Mittelmeer ertrinken ließen als den Reichtum zu teilen und mit allen zusammen eine schönere Heimat schafften…

Es sollte selbstverständlich sein, hierher kommende Menschen aufzunehmen.
Wir sollten ihnen Hilfe, Heim und Arbeit geben, no questions asked.

 

 

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