Die schlimmste Klasse

Meine Kindheit war durchzogen von Umzügen. Aus allen möglichen Gründen schien es meine Mutter selten lange am selben Ort auszuhalten. Mit diesen Umzügen ging dann auch jedes mal ein Schulwechsel einher und ich bekam die Gelegenheit so manchen Klassenverbund und viele Lehrer zu erleben.

Zwischen der 8. Klasse und meinem Schulabschluss allein war ich in 3 verschiedenen Schulen, die sich zum Teil deutlich unterschieden. Aber ein Punkt war immer der gleiche: Der Ruf der Klasse in der ich jeweils war. Wir glaubten nämlich jedes mal von uns die jeweils „schlimmste“ Klasse der Schule zu sein. So war uns irgendwann immer von entnervten Lehrern gesagt worden und wir trugen diese Aussage mit Stolz.

Ich hatte das irgendwann vergessen und die Erinnerung daran tauchte erst wieder auf als meine eigenen Kinder in der Schule waren und der erste der drei eines Tages daheim mit kaum verhohlenem Stolz – ganz als wäre das eine schwer erarbeitete Auszeichnung – anmerkte, seine Klasse sei die Schlimmste Klasse der Schule.

Heute früh schließlich, ziemlich genau 2 Jahre nach dem Großen, meinte der mittlere der drei, seine Lehrer sähen seine Klasse als „die Schlimmste“.

Huh? Zufall?

Hm…

Ich glaube nicht. Meine Theorie: Jeder Lehrer hat eine andere Klasse, die „die schlimmste“ Klasse ist und kommt dann zu unterschiedlichen Zeiten auf die Schnappsidee, das für die Schüler hörbar zum Besten zu geben. Ergebnis: Jede Klasse mit pubertierenden Radaubrüdern (und -schwestern) hält sich für die Speerspitze des Schüleraufstands und verhält sich im Ergebnis dann auch ein Stück so. Ist der Ruf erst ruiniert…

🙂

Ich habe versucht, den Effekt meinen Jungs zu erklären. Unterm Strich wünschte ich mir aber, die Lehrer würden andere Eigenschaften ihrer Klassen betonen als den Umstand, dass sie gerade aufdrehen wenn sie mit ihnen zu tun haben. Letztlich basteln die sich ihre umtriebigen Klassen nämlich selber bzw. verstärken den Effekt durch die Attribute, die sie verteilen.

So.

 

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2 Gedanken zu „Die schlimmste Klasse

  1. öh… schwierig
    Von meiner Realschulzeit weiß ich noch dass wir fest der Meinung waren die… nennen wir sie mal „erträglichste“ Klasse des Jahrganges zu sein, während ich beim Berufsschulabschluss ziemlich sicher bin dass man die Klasse bestenfalls als gescheitert bezeichnen musste.

    Ich bin schon der Meinung dass es da Unterschiede gibt und auch dass man die als Schüler mitbekommt. Vlt. nicht ganz so stark wie es Lehrer unter sich formulieren würden, aber auch Kinder sind halt nicht völlig merkbefreit.

  2. Naja, wenn eine Klasse nun auf ein Kollegium aus bis zu 8 Lehrern trifft und irgendwann Behauptungen wie die oben auftauchen, dann ist das schon fast so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung und es gibt vermutlich gleich mehrere Klassen, die sich so einschätzen…

    Mein Punkt ist aber auch, dass das kaum einen positiven Effekt haben dürfte und für die Gesamtstimmung aller Beteiligten es vermutlich besser ist unaufgeregt mit den Störfaktoren umzugehen als ein Ranking der Klasse mitzuteilen…

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