Der Podcast vor dem Podcast

Das Allererste Mal ™ ist immer etwas ganz Besonderes, auch wenn wir von Podcasts sprechen. Mein erster Podcast war ein Projekt namens „Das Ferngespräch“ und ich begleitete darin Alexander auf einer Weltreise. Man kann das immer noch anhören, denn alle Folgen habe ich für die Ewigkeit bei Archive.org abgelegt. Sogar die Domäne zeigt da (noch) hin. http://das-ferngespraech.de

Aber wie das so ist – irgendwann ging die Reise zu Ende und seitdem dachte ich immer wieder mal darüber nach, doch einen weiteren Anlauf zu nehmen. Ähnliches Thema, aber mit all den Dinge, die ich bisher aus 640 Folgen Anerzählt, 37 Folgen 2debate und einigen anderen Projekten gelernt habe.

Und dann erreichte mich eine Nachricht von Leni und Philipp. Ich werde jetzt hier keine Vorstellung der beiden vorwegnehmen, nur so viel: Sie wollen auf eine lange Reise gehen und haben Lust auf einen Podcast! Das wird der Anlauf! Jubel!

Eine meiner Lieblingsphasen so eines Projektes hat damit direkt angefangen – Planung & Einrichtung 🙂 Die dauert allerdings meistens auch eine ganze Weile. Was also tun während mich das Podcastfieber im Griff hat, aber noch keine Seite, noch kein Feed und noch kein fertiges Konzept steht?

Spontane Idee: Ich mache einen Podcast über meinen Podcast!

  1. wollte ich sowieso schon länger mal einen Podcast über Podcasting machen (gibt’s zu wenig).
  2. ist es unwahrscheinlich motivierend für mich, sozusagen einen Vorab-Podcast aufzusetzen mit dem ich das hier begleite.
  3. helfe ich ja immer wieder mit Begeisterung als „Podcastpate“ und vielen wird sicherlich meine kleine Reihe interessante Antworten liefern.
  4. gibt mir so ein Meta-Podcast auch eine schöne Gelegenheit schon mal ein paar Ersthörer zu gewinnen, deren Feedback vielleicht auch schon vor Start hilft die fertige Sendung besser zu machen.
  5.  hatte ich enorm Lust drauf 🙂

Wie lange hat es gedauert, das alles gestern aufzusetzen? 40 Minuten einrichten + 15 Minuten erste Folge = ca. 55 Minuten. Hier die einzelnen Schritte (das hier ist jetzt sozusagen Meta-Meta-Podcast :-))

  1. [5 Minuten] ein Blog an meine „Visitenkartenwebseite“ mit dem temporären Namen „Reiseradio“ einrichten: http://dirkprimbs.de/reiseradio
  2. [5 Minuten] FTP Verzeichnis für die Episoden auf dirkprimbs.de konfigurieren
  3. [10 Minuten] Podlove auf dirkprimbs.de installieren und konfigurieren.
  4. [5 Minuten] Aus dem Intro von „Das Ferngespräch“ einen Soundbite ausschneiden.
  5. [10 Minuten] Auf auphonic.com ein Preset einrichten, das das Intro und Autro automatisch an übergebene Episoden hängt und dann das Ergebnis glattzieht um es in den FTP Ordner aus 2. zu kopieren.
  6. [5 Minuten] Bild auf pixabay.com suchen und ins Blog schieben.
  7. [15 Minuten] Erste Episode einsprechen, via Podlove hochladen, fertig.

Das ging flott von der Hand und ich bin zufrieden mit dem „quick & dirty“ Ergebnis 🙂 Was hältst Du von der Idee ein solches Projekttagebuch einzusprechen? Wie gefällt dir das Format und der Inhalt?

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Zwangsoriginelles Audio

Ich höre mir gerade einen Podcast eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders an. Inhaltlich cool gemacht aber das Sounddesign… #seufz

Ich muss es mal loswerden: Auch Audioeffekte sind ein Informationsträger. So sehr ich wohlgesetzte Soundeffekte liebe, sie müssen immer auch einen funktionalen Sinn haben um wetvoll zu sein. Wenn aber eine Stimme künstlich auf „aus der Blechbüchse abgespielt“ verzerrt wird, dient das nur dazu das Ergebnis bearbeitet klingen zu lassen. Inhaltlich ändert sich nichts. Dasselbe stimmt wenn man ohne Grund und ohne dramaturgische Motivation Musik „drunterklebt“.

Gute Sounddesigner fragen sich bei jeder Anpassung welchem Zweck sie dient. Soll etwas betont werden, wollen wir eine bestimmte Stimmung erzeugen, soll ein Beispielton den sprichwörtlichen Film im Kopf erzeugen? Zumindest sollten sie das. Aber in Zeiten in denen jeder irgendwie nach Radiotopia klingen möchte bleibt das gezielte Einarbeiten von Audio leider immer öfter auf der Strecke. Hauptsache das Ergebnis klingt irgendwie stylisch. (Wenn man Pech hat klingt es aber nicht mal das sondern amateurhaft und nervtötend…)

Ein bißchen ist das so wie frühe Webdesigner animierte Grafiken und Texte verwendet haben oder mancher Photografie-Noob seine Begeisterung für übersättigte Bilder entdeckt bevor ihm klar wird, dass ein Bild nicht besser wird nur weil der Himmel brüllblau und das Gras giftiggrün leuchtet…

Weniger ist mehr, Leute.

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52 Bücher

Ich ticke in Projekten…

Mein Master im Fernstudium? Ein Projekt.
Mein erster Podcast? Ein Projekt.
Mein erster Halbmarathon? … Genau.

Immer wenn ich etwas Neues tun möchte packe ich es in diesen Rahmen. Ein Projekt hat nämlich ein paar sehr praktische Eigenschaften:

  • Es hat ein definiertes Ziel.
  • Es hat eine Laufzeit.
  • Es gibt mir eine Möglichkeit über „etwas Definiertes“ nachzudenken und zu sprechen.

Besonders die Laufzeit macht mir da oft das Leben einfacher. Selbst wenn ich kein definiertes Endziel habe, lege ich mir doch immer Meilensteine fest an denen ich ankommen kann, mich freuen darf und ggf. auch aufhören kann. Beim Fernstudium war das erste Zertifikat ein Zwischenziel nach drei Monaten. Mein täglicher Anerzählt Podcast sollte erst einmal 42 Folgen, dann 100, dann ein Jahr laufen…

So ein Zeitrahmen hilft mir. Es ist immer gut ein Ende in Sicht zu haben, denn damit stellt sich nie das Gefühl ein „auf ewig“ gefangen zu sein.

Viele meiner „Projekte“ haben auch eine zweite Funktion. Neben dem eigentlichen Ziel lege ich mir meist auch neue Angewohnheiten zu. Der erste Halbmarathon brachte mich zum täglichen Laufen, mein erster Podcast begründete das Hobby regelmäßig in Mikrofone zu sprechen und mit Audio zu spielen etc.

Projekte starte ich immer dann wenn mir der Sinn danach steht und nicht alle werden fertig. So habe ich schon mehrmals Anlauf genommen eine Mailingliste oder ein Buchprojekt zu starten und kam irgendwie nie voran. Zeichnen lernen wäre es auch mal… Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Wenn nur jede dritte Idee zu etwas führt bin ich schon glücklich und das ist tatsächlich in etwa die Quote mit der ich unterwegs bin.

Mein neuestes Projekt: Ich möchte gerne mal dokumentieren welche Bücher ich lese. Lesen ist grundsätzlich eine meiner Leidenschaften, nur wünschte ich mir manchmal mehr in Erinnerung zu behalten. Deswegen jetzt mein Vorsatz, die nächsten 52 Bücher etwas genauer zu dokumentieren, z.B. hier im Blog oder auch in meinem Notizbuch…

52 sind es deshalb weil ich das in etwa ein Jahr lang machen möchte und pro Buch ungefähr 1-2 Wochen beschäftigt sein will. Mal sehen ob das klappt…

Zur Zeit sind wir in der dritten Woche 2018 und ich habe mehrere Bücher „in Arbeit“:

  • Guns, Germs and Steel – ein Buch, das der Frage auf den Grund geht welche Faktoren in der Geschichte der Menschheit zu einer Dominanz bestimmter Lebensstile und Volksgruppen geführt haben.
  • Reden, die unsere Welt veränderten – ich wollte besser verstehen was gute Reden von schlechten trennt und kaufte dafür dieses Buch. Bisher lerne ich viel über Geschichte und einiges darüber wie Worte wirken. Macht Spaß.
  • Fischer Weltalmanach 2018 – Nicht nur für meinen Anerzählt Podcast ist dieses Buch Gold, ganz  allgemein blättere ich seit Jahren gerne in diesen Jahreschroniken. Sicherlich kein Buch um es von vorne bis hinten zu lesen, aber trotzdem ein treuer und sehr erhellender Begleiter.
  • Word Hero – Ich habe in ein paar Wochen ein Interview mit dem Autor und möchte gerne vorbereitet sein. Außerdem profitiert mein Podcast 2debate sicherlich davon.

 

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Die Podcastwelt der Briten

Ja auch die Briten hören Podcasts, allerdings haben die natürlich qua Sprachvorteil ungleich mehr Auswahl als unsereins. Vor kurzem wurde deren Podcastverhalten jedenfalls von einer Firma vermessen und dokumentiert, die sich im Vereinten Königkreich damit beschäftigt Reichweiten und Radio-Hörverhalten zu erfassen.

Zwar geht es in ihrer Studie von 2017 nicht ausschließlich um Podcasting, aber trotzdem finden sich da eine Menge Nuggets.

  • 6.1 Millionen Erwachsene hören jede WOche Podcasts (67% machen das am Smartphone, 62% der Hörer sind Männer)
  • 35% davon werden zwar heruntergeladen aber nie angehört.
  • In der Altersgruppe 25-34 hören 20% Podcasts, Menschen über 55 sind nur noch mit 6% vertreten. Da gibt es eine Menge Potential, ich bin mir sicher, dass gerade die eigentlich begeisterte Konsumenten werden wenn sie das Medium erst einmal entdeckt haben.

Außerdem findet sich in der Studie auch die Behauptung, dass am meisten während Commute-Times (also morgens und abends) gehört wird. Das leuchtet zwar intuitiv ein, ist aber interessanterweise etwas, das Rob Walch von Libsyn zumindest für die USA massiv bestreitet. In jedem seiner Statistik-Vorträge sagt er, dass Hörer in der Regel zwar behaupten, nur auf dem Arbeitsweg zu hören, aber die Abrufstatistik da eine andere Sprache spräche. Die Abrufe fänden nämlich über den Tag verteilt, also während der Arbeit ihre Höhepunkte.

Keine Ahnung, wer da nun Recht hat. Ich selbst höre über den Tag verteilt immer wieder, ganz abhängig davon was ich gerade mache. Der Weg zur Kaffeemaschine => Podcast, eine Stunde Sport => Podcast, Einkaufen gehen => Podcast, halbe Stunde Pause am Nachmittag => Podcast…

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Kann ich eine Asiatin im Körper eines afrikanischen Rennradfahrers sein?

A.J. Jacobs ist einer der originellsten Buchautoren Amerikas. Seine Methode? Er macht Experimente und schreibt darüber. Sein erstes Buch schrieb er nachdem er die Encycopedia Britannica von A bis Z durchgelesen hat. Danach lebte er ein Jahr lang Wort für Wort was die Bibel ihm vorschrieb. Ein anderes Experiment war eine Periode radikaler Ehrlichkeit in der er sich selbst auferlegte jeden Gedanken unverfälscht zu äußern

Zur Zeit beschäftigt er sich damit den größten Stammbaum der Welt zu bauen. Dieses Projekt brachte ihn dann auch zu einem meiner liebsten Podcasts, Waking Up with Sam Harris. Sam Harris ist extrem intellektuell, hat einen Hintergrund in Neuroscience und Philosophie und verwickelt seine Gäste in lange Gespräche. Diese Folge war keine Ausnahme. Sie war voll gepackt mit interessanten oder amüsanten Gedanken. Einer aber blieb bei mir besonders nachhaltig hängen und um den geht es mir gerade…

Das Gespräch drehte sich um „Tribalism“, also der Tendenz des Menschen sich in Gruppen einzusortieren. Mann, Frau, Nerd, Sportler, Kulturfan… Diese Kategorien formen unser Selbstbild, unsere Rollen und die Erwartungen der Gesellschaft an uns. Manche Rollen sind wählbar (Kulturfan), andere nicht (weißhäutiger Mitteleuropäer).

NOCH nicht.

Sam und AJ diskutierten nämlich eine Weile lang, dass die Idee sich anhand von Race (also ethnischer Herkunft) einzusortieren genetisch unsinnig ist und mit voranschreitender Technologie auch praktisch immer unsinniger wird. Wir leben bald in einer Zeit in der wir theoretisch gentechnische Anpassungen vornehmen können, die weitreichend unser Aussehen und Zugehörigkeiten betreffen, ob wir das tun werden steht freillich auf einem anderen Blatt.

Außerdem ist es ja so, dass selbst ohne genetische Veränderungen unsere Zugehörigkeiten zu solchen Gruppen in erster Linie gesellschaftlich konstruiert sind. So kann man ja sehr wohl als Kind dunkelhäutige Afrikaner aber mit weißer Haut geboren werden. Trotzdem haben solche Menschen dann oft Schwierigkeiten von ihrer Umwelt als Mitglied der Gruppe akzeptiert zu werden.

Und dann machte die Diskussion eine Kurve, die mich seither nicht mehr losgelassen hat. Müsste man nicht, so fragt Sam, Menschen genauso die Freiheit lassen ihre ethische Zugehörigkeit frei zu wählen ganz analog dazu wie sie heutzutage immer öfter die Möglichkeit haben ihre Geschlechtsidentität zu bestimmen?

In anderen Worten: Wenn wir akzeptieren, dass Menschen transgender sind, sollten wir nicht konsequenterweise auch erlauben, dass sie trans-ethnisch sind? Kann ich ein Asiatin im Körper eines Lateinamerikaners sein?

Ich finde den Gedanken super spannend. Für mich ist die Antwort: Aber logisch muss das erlaubt sein, ist nur logisch folgerichtig. Allerdings schleicht sich da auch sofort die Frage ein ob es nicht langsam absurd wird menschliche Eigenschaft zu dynamisieren.

Denn mit einer solchen Möglichkeit löst sich auch ein Großteil der bisher gesetzten Rollensystemen endgültig auf. Woher wir kommen, welcher Kultur wir entstammen, welches biologische Geschlecht wir haben… Alles egal. Was zählt ist wie wir uns selbst fühlen und einsortieren. Wir wählen unseren „Tribe“ selbst.

Aber natürlich funktioniert das ganz praktisch überhaupt nicht. Denn diese Zuordnungen finden eben extern statt. Die Gesellschaft ordnet uns anhand unserer Eigenschaften bestimmten Systemen und Gruppen zu. Da entsteht ein System, das wesentlich filigraner ist als die Beispiele Mann-Frau und Ethnische Zugehörigkeit suggerieren. Man kann schließlich nicht einfach so von „biertrinkenden antiintellektuellen Handwerker“ (nur ein Beispiel, natürlich gibt es hochintellektuelle Handwerker oder Antiintellektuelle, die kein Bier trinken) zum „kunstbegeisterten Klassikfan in einer soziologischen Debattiergesellschaft“ werden. Wo wir dazugehören wird eben auch heute extern definiert, anhand von Habitus erkannt und wir können es nur zum Teil und manchmal mit erheblichen Aufwand selbst beeinflussen. Bourdieu lässt grüßen.

Der Unterschied aber: Wenn wir uns die Frage stellen ob Menschen ihr Geschlecht selbst wählen können und vielleicht auch ihre ethnische Zugehörigkeit, dann ist das ja vielleicht ein Symptom für unsere auf den einzelnen fokussierte Individualgesellschaft. Je individuenlastiger die Kultur, desto mehr wird gegen fest vorgegebene durch den Einzelnen unbeeinflussbare Rahmenvorgaben angerannt. Ob das funktionieren wird muss sich zeigen aber es erklärt wenigstens schon mal warum ausgerechnet die Amerikaner derzeit so viel mit diesen Themen ringen…

Wer zum Thema weiterlesen möchte wird hier fündig.

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Die Einschläge kommen näher…

Ich verfolge zur Zeit etwa 160 Podcasts (ja, ich weiß… Irre… #shrug), ca. ein Drittel davon ist Englisch. Seit etwa 2 Jahren passiert es da immer öfter, dass inmitten des liebevoll erzeugten sogenannten „driveway moments“ auf den amerikanische Radioleute so stolz sind nicht nur irgendeine zeitlose Werbeeinblendung kommt, sondern eine mit modernster Technik auf mich zugeschnittene Formatwerbung! Juhu! So passiert es dann, dass ich in der Mitte von 99% Invisible oder Radio Diaries aus dem Nichts eine Karstadt-Werbung auf Deutsch serviert bekomme weil mein Download ja schließlich mit einem Deutschen Gerät oder von Deutschland aus stattfand. Das ist in etwa so als würde man bei voller Fahrt vom dritten in den Rückwärtsgang schalten. Vermutlich kann meine Umwelt in diesen Augenblicken meine Neuronen gequält aufschreien hören.

Zweites Erlebnis dieser Art:

In der Lage der Nation, einem beliebten Nachrichtenpodcast der jetzt auch stolz mit einem professionellen Vermarkter zusammenarbeitet, wird mir plötzlich eine Werbung serviert, die davon spricht, dass ein Angebot „nur noch heute“ gilt. Uhm. Naja. Danke auch. Ich halte Werbung im Podcast ja so schon für Zeitverschwendung, aber zeitgebundene Werbung in einem zeitsouveränen Medium? Da hat der Vermarkter wirklich  nicht verstanden was der Unterschied zwischen Radio und Podcast ist, oder? Wenigstens bietet die Lage der Nation aber eine valide Alternative an: Wer sich ein Abo klickt, der wird die Werbung los.

Drittes Erlebnis:

Noch zum Ende des Jahres schneit eine Mail bei mir rein mit der Einladung bei „Deutschlands größtem Audiovermarkter“ unterzukommen und Werbung in meinen Podcast zu integrieren. Auf Nachfrage werde ich informiert, dass so 6-9€ pro tausend Kontakte möglich wären. Woohoo! Was mich daran erschrickt sind zwei Aspekte: Einmal glaube ich dieser Preis ist nicht mal ungewöhnlich (auch wenn es zwanzigmal höhere Beispiele gibt) und zweitens werden immer mehr Hobbypodcaster und solche, die gerne irgendwann mal damit Geld verdienen wollen, genau diese Angebote nutzen weil sie so schön simpel und massentauglich sind.

Man braucht also kein Genie zu sein um eine einfache Vorhersage für 2018 zu treffen: Dieses Jahr wird das Jahr der nervigen Podcastwerbung! Und hier sind die Zutaten, die das verursachen werden:

  1. Mehr und mehr Leute versuchen mit Podcasting Geld zu verdienen (finde ich eigentlich gut), haben aber leider keine Phantasie eigene Geschäftsmodelle zu finden. Damit gibt es drei dominante Modelle (es gibt auch noch mehr, aber die sind derzeit recht selten zu finden): Paywall, Werbung, Podcast als content marketing engine um Kurse o.ä. zu verticken (Funnel).
  2. Die Vermarkter drängeln sich nach vorne und Podcasts wie Lage der Nation oder die die Viertausendhertzler freuen sich über klassische Formatwerbung wie wir sie aus dem Radio kennen. Formatwerbung aber ist unpersönlich und wird auf Massenpublikum optimiert. So wirbt dann plötzlich eine Fluglinie für Last Minute Angebote und Douglas für Weihnachtsgutscheine.
  3. Apple macht Statistiken verfügbar
    Bisher hat die Branche den Mythos verbreitet, Werbung in Podcasts wäre supereffizient. Dank Statistiken sehen wir jetzt immer öfter wie viele Hörer Podcastwerbung einfach nur überspringen. Spoiler-Alert: Viele.
  4. Technische Entwicklungen in den USA sorgen für einen Datenstandard
    Klingt super, nützt aber eigentlich nur den wirklich großen Plattformen mit entsprechender Verbreitung und wird damit fast ausschließlich zur Optimierung der Sendungen verwendet. Immer wenn das Geschäftsmodell also „Werbeeinnahmen“ heißt, wird auf Werbeerfolg hin optimiert.
  5. Die Automatisierung schreitet voran, Stichwort: Dynamic Ad Insertion
    Das ist wirklich die Pest! Formatwerbung hatte ich in den letzten Jahren erfolgreich aus meinem Leben entfernt und jetzt kommt sie ausgerechnet in Podcasts wieder? Muß das wirklich sein? Die Entwicklung ist da ja auch ganz offensichtlich vorgezeichnet: Zuerst kommen bessere Statistiken um festzustellen an welchen Plätzen Werbung am Besten greift. Dann kommt mit vielen Anbietern auf dem Markt und der Erkenntnis wie wenig das tatsächlich funktioniert der freie Fall der erziehlbaren Preise. Schließlich werden immer mehr Anbieter versuchen, uns zum Anschauen der Werbung zu zwingen indem sie ihre Inhalte exklusiv über bestimmte Plattformen ausspielen, die ein Skippen unterdrücken… Aus dem selben Grund sind inzwischen immer mehr Spots „mid-roll“ geschaltet, also mitten im Podcast um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie auch gehört werden. Weil die Preise dann niedrig sind und Plattformen mit eigenem Client einen Vorteil haben wenn es darum geht ihre HörerInnen zum Hören zu zwingen, lohnt sich Werbung dann nur noch in den Massenkanälen und die hoffnungsfrohen Kleinpodcaster gehen in diesem Modell leer aus.

Versteht mich nicht falsch: Meinetwegen macht das jedes Format so wie es will und es ist absolut nichts ehrenrüchiges daran, Geld verdienen zu wollen. Ich finde aber schade, dass wir offensichtlich keine Alternativen zu finden scheinen.

Interessant finde ich in dem Zusammenhang übrigens auch, dass praktisch alle Podcasts mit Formatwerbung hierzulande betonen, dass ihrem Hörerfeedback zufolge Werbung völlig ok wäre. Die Frage ist dann allerdings ob die Zustimmung auch so hoch wäre wenn die Leute keine Möglichkeit des Vorwärts-Spulens mehr hätten, also das Anhören der Werbung zur Pflicht werden würde. Na, wer hat Lust auf 20 Sekunden Werbung von Aldi bevor der eigentliche Podcast losgeht?

Ich für meinen Teil habe es mir deswegen zur Regel gemacht, Podcasts zu unterstützen, die alternative Wege beschreiten. Tatsächlich zahle ich inzwischen mehr Geld direkt an Podcaster als an die GEZ 🙂

Und jedes mal wenn ich von einem Podcast gefragt werde „Wäre Werbung für Dich ok“, antworte ich im Wesentlichen „wenn es sein muss vielleicht, aber ein werbefreies Bezahlangebot wäre mir lieber“.

Zum Abschluß…

Als ich mir Letzteres auf Twitter von Viertausendhertz wünschte, kritisierte der Podcaster Christian Möller meine Anmerkungen weil mein Arbeitgeber (und damit auch ich) einen Großteil seiner Einnahmen aus Werbung bestreitet…

Das ist ein verständlicher Reflex und weil der vielleicht auch dem einen oder anderen Leser so in den Sinn kommt, habe ich drei Anmerkungen dazu:

  1. Auch Google findet nicht pauschal jede Art der Werbung gut, manche wird sogar aktiv unterbunden. Außerdem bietet mein Brötchengeber obendrein immer mehr Optionen sich von ihr freizukaufen. So haben z.B. GSuite Kunden keine Werbung in Google Apps, mit Youtube Red kann man bald auch hierzulande werbefrei YouTube konsumieren etc.
  2. Ich selbst finde es übrigens auch nicht verwerflich wenn Werbung als Finanzierungsmodell genutzt wird, das soll jede(/r) gerne so machen wie es beliebt. Ich persönlich nehme mir trotzdem das Recht heraus, Werbespots nicht konsumieren zu wollen und deswegen aktiv für eine Alternative zu lobbyieren.
  3. Die Logik „Du arbeitest bei Google, Google verdient Geld mit Werbung, darum musst Du Werbung in Podcasts gut finden“ mag einleuchtend klingen, aber sie funktioniert so nicht. Mitarbeiter von Jack Daniels müssen schließlich auch nicht jede Nutzung von Alkohol befürworten und Berliner dürfen auch weiterhin gegen den neuen Flughafen sein, selbst wenn sie in der Stadt wohnen, die ihn unbedingt bauen möchte.

Wie dem auch sei… Ich schließe ab mit einem Appell:

Hallo Du!

Es gibt großartige PodcasterInnen da draußen, viele investieren einen Großteil ihrer Freizeit und einige hoffen auch damit irgendwann Geld verdienen zu können. Ob sie das auch langfristig schaffen und wie sich die Podcasterei weiterentwickelt hängt damit aber von uns Hörer(inne)n ab und von den Geschäftsmodellen, die wir möglich machen. Darum: Wünsch Dir bitte aktiv Sponsorship und Pay-for-content Modelle als Alternativen zur Werbefinanzierung und lasse Deinen Wünschen dann auch Taten folgen. Davon haben wir mittelfristig alle was. 

Bis bald,
Dirk

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Mehr schreiben…

Ich habe mich eben durch meinen Draft-Ordner im Dauerstauner geklickt und knapp 20 Entwürfe gelöscht, meist weil sie längst vergangene Themen und Beispiele aufgreifen, oft aber auch weil ich sie beim Überfliegen einfach nur schlecht fand.

Dabei sind diese Entwürfe (genauso wie meine brachliegende Mailingliste) ein Symptom dafür, dass ich eigentlich glühender Blogfan bin und ganz allgemein gerne wieder mehr schreiben möchte.

Zur Zeit gibt es online nicht weniger als 6 mehr oder weniger inhaltsschwangere Webseiten von mir und nochmal so viele sind in den Tiefen des Internets versunken wenn ich aus den unterschiedlichsten Gründen den Stecker zog. Meine Ausflüge auf Linkedin, Medium oder Tumblr zähle ich da jetzt nicht mehr. Ich mache das also gerne, nur nicht so oft wie ich eigentlich möchte. Ergo: Los geht’s! Ab heute wird nicht mehr für den Entwürfe-Ordner sondern wieder für die hüstel Massen geschrieben.

Dafür wird das hier vermutlich auch ein wenig „rantiger“ und mehr Tagebuch als Essay-Spot. Ach, und Bilder könnten gelegentlich auch auftauchen, genauso wie auch #gasp downloadbares Audiozeugs.

Stay with me 🙂

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Digitalkompetenz? Du mich auch.

Ich hatte diese Woche ein Erlebnis der besonderen Art, eines das mich immer noch beschäftigt…

Vor einiger Zeit ereilte mich eine Nachricht in der ein Freund aus Microsoft-Tagen mir einen Bekannten vorstellte. Er arbeite gerade an seinem Doktortitel, das Thema wäre „Digitalkompetenz“ und da würde er sich sehr gerne mit jemanden bei Google unterhalten. Ob ich das nicht machen könne. „Aber sicher doch“ antworte ich und der Kontakt wird hergestellt. Ein Interview soll es werden, erfahre ich, so um die 45 Minuten lang.

Kein Problem, ich mache das gern. Sicherlich kann man ein paar Dinge über Digitalkompetenz lernen wenn man über den Arbeitsalltag von Google (oder Microsoft) reflektiert und als Googler und Ex-Microsoftler weiß ich ein paar Sachen darüber wie da gearbeitet wird. Als Manager habe ich mir außerdem schon einige Gedanken zum Thema Fähigkeiten und Weiterentwicklung von Mitarbeitern gemacht und – last not least – bilde ich mich selbst ja auch ständig in Sachen Technologie weiter und glaube deswegen sogar aus erster Hand beitragen zu können.

Digitalkompetenz?

Das Feld selbst kann spannend sein, glaube ich. Ein Blick ins Internet bringt allerdings nichts als Artikel von supertollen Managementconsultants, die darüber schwadronieren, dass „Digitalkompetenz immer wichtiger für Leadership und Innovation sei“. In Digitalkompetenz würde verstärkt investiert, werde ich de aufgeklärt. „Vermutlich am Besten in Euch“, denke ich.

Ich mache mir also meine eigenen Gedanken dazu was das wohl sein könnte. Digitalkompetenz ist sicherlich zunächst mal die Fähigkeit in einer digitalen Welt zu arbeiten und produktiv zu sein, vermute ich. Das wäre dann bestimmt in erster Linie die Kommunikation und der produktive Umgang mit Software. Schlagworte die mir einfallen sind „Social Media, insbesondere auch zur Projektkoordination und als Alternative zu Mails und Telefon“, „Datenanalyse und Datenvisualisierung“, „die Unterschiede zwischen technischen Experten und Businessentscheidern, die in Sachen digitaler Medien immer mehr verschwimmen“, …

Und: Kommunikation! Das wäre eigentlich das A&O. Wir kommunizieren anders in unserer neuen digitalen Welt. Wir verwenden andere Werkzeuge, andere Routinen und andere „social codes“. Die Regeln von Fax & Telefon sind schon lang nicht mehr ausreichend und diejenigen, die virtuos zwischen kreativer Nutzung digitaler Werkzeuge wechseln und angemessene Wege der Kommunikation finden sind im Vorteil.

Kommunikation!

„Toller Input!“, meint mein Doktorand während ich am Dienstag mit ihm darüber spreche. Irgendwann will er es konkret auf einzelne Werkzeuge runtergebrochen haben. Ich erzähle ihm von Slack, von Projektmanagementwerkzeugen, davon dass Mitarbeiter ihre eigene Technologie ins Unternehmen bringen und die IT Fachschaft oft hinterherhinkt und aus einer Gestaltungsebene zum Bereitsteller von Infrastruktur wird… „Das war prima, das hat mir sehr geholfen. Wäre toll wenn wir im November noch mal telefonieren können, dann für das nächste Paper. Wäre das möglich?“, fragt er.

Ich freue mich, ich habe wirklich versucht zu helfen. Es wundert mich zugegebenermaßen ein wenig, dass er so wenig darüber wissen wollte wie den nun speziell Google arbeitet. „Wir nähern uns mehr den traditionellen Unternehmen an, die sind vielleicht anders. Wie ist denn die Situation da?“, fragte er. Ok, ich glaube ich kenne einige traditionelle Unternehmen. Deswegen erzähle ich davon was ich bei einigen gesehen habe und zu wissen glaube… Wie Google arbeitet, was bei uns „Digitalkompetenz“ sein könnte erfährt er so nicht, aber ich hoffe trotzdem zu helfen. „Ja, das war super hilfreich.“, meint er auf Rückfrage. Irgendwann verabschieden wir uns…

Und hätte ich auch direkt aufgelegt, gäbe es diesen Artikel nicht.

Denn…

Tatsächlich brauche ich einen Moment um mein Bluetooth Headset zu bedienen. Gerade lang genug um zu merken, dass mein Gesprächspartner versehentlich noch auf Freisprechen ist und außerdem lang genug um zu hören wie ein Kommilitone ihn fragt wie denn das Gespräch mit dem Googler gewesen sei… Die Neugierde lässt mich seine Antwort abwarten.

„War Müll.“, sagt er. „Der hat von Kommunikation und Social Media gelabert, wahrscheinlich weil er halt bei Google ist und denkt, das wäre wichtig. Macht aber nichts, ich wollte eh nur mit ihm sprechen weil das Paper besser aussieht wenn Google mit dabei ist.“

Ich starre auf mein Telefon. „Arschloch!“, denke ich. Hatte nicht er die Fragen gestellt, hätte er nicht steuern können welche Bereiche er beleuchtet? Außerdem ärgert mich die Aussage nur Deko für sein Paper zu sein schon sehr. Die eben noch gerne gespendete Stunde Zeit in der ich jemandem zu helfen glaubte war nichts mehr wert. Meine Zeit war komplett verschwendet worden und anscheinend waren meine Ideen und Aussagen… dumm?

Ich will etwas sagen, doch in dem Moment bricht die Verbindung ab. Ich schreibe statt dessen eine Mail…

Hey XXXXXXX,

ganz kurz noch.
Du warst noch auf Freisprechen, ich war noch am Telefon.
Nächstes mal willst Du vielleicht sicherstellen, dass Du aufgelegt hast bevor Du Deinem Kumpel erzählst, dass ich Dir nur geholfen habe weil ich bei Google bin und ansonsten das Gespräch für die Tonne war. Ich war mir nicht bewusst, dass das die falsche Flughöhe war. Wenn ich nachgefragt habe, meintest Du das passt so.

Ich habe mir gerne die 45 Minuten genommen, jetzt bin ich menschlich allerdings einigermaßen sauer.

viele Grüße,
Dirk

Er ruft kurz darauf an, entschuldigt sich wortreich. Ein Blackout sei das gewesen. Er wisse nicht was ihn geritten habe. Außerdem sei das faktisch auch falsch gewesen, denn er hätte definitiv viel Nützliches aus dem Gespräch genommen und dazugelernt.

Ich atme durch, nehme die Entschuldigung an und sag ihm er soll mir konkrete Fragen per Mail schicken wenn er anderen Input brauche. Wenn er schon seine Diss in Google Farben anstreicht, dann will ich wenigstens wirklich etwas beigetragen haben.

Digitalkompetenz? (2. Teil)

Er schickt mir ein Diagramm. Digitalkompetenz wird da beschrieben als ein vierstufiges Schichtenmodell mit Businessleuten auf der einen und IT Fachleuten auf der anderen Seite. Und zwischen denen diffundieren nun die Kompetenzen, so die Vorstellung. Die ITler müssen also jetzt auch Verständnis für Kunden und Marketing aufbauen und die Nicht-ITler müssen wissen was eine Cloud ist… Salopp formuliert. Digitalkompetenz ist das was die Ebenen über dem für die reine IT Infrastruktur zuständigen Fachbereich haben. Die IT Infrastrukturler haben dann dem Modell nach Technikkompetenz. Hm… Naja.

Ich schicke ihm ein bißchen Input und ein paar Gedanken zu dem Modell an sich. Vor allem aber interessiert ihn welche Kompetenzen in jedem einzelnen Bereich meiner Meinung nach nötig seien und ich trage welche in eine Matrix ein. Als er mir antwortet, dass das diesmal klasse sei und geholfen hätte stelle ich fest, dass ich ihm das nicht mehr glaube und antworte ich stünde im November dann doch lieber nicht mehr zur Verfügung… Nicht weil ich immer noch sauer wäre sondern weil ich mich ehrlich gesagt gut fühlen möchte wenn ich jemandem helfe. Das geht aber nur wenn ich das „Hey, das hat geholfen, danke!“ auch glauben kann.

Abends erzähle ich meiner Familie davon und erkläre den Kids, dass wahrscheinlich jeder sich mal wie ein Arschloch verhält auch wenn er ein ganz netter ist. Ich auch, jeder. Deswegen bin ich dem Typen nicht sauer, aber noch mal helfen? Ne…

Das ist erstmal durch.

Ansonsten denke ich allerdings immer noch über „Digitalkompetenz“ nach.

Kompetent worin eigentlich?

Ich habe meine ganze berufliche Laufbahn in Unternehmen verbracht, die ihren Mitarbeiter volle Freiheit bei der Nutzung technischer Innovationen geben. Da möchte man meinen, dass die „Digitalkompetenz“ eigentlich sehr hoch sein sollte… Allerdings stelle ich trotzdem täglich fest, das Kollegen nicht mit EMail-Clients umgehen können, dass nur wenige Ahnung haben wie man gute Präsentationen baut und dass die Möglichkeiten von Excel&Co nicht zum Verständnis von Daten sondern zur Vermehrung von Datenmüll genutzt werden. Leute, die mich per Chat fragen ob ich ihre EMail schon gesehen habe, brauchen eigentlich einen Grundkurs in Online-Etikette und grundlegenden Softwareprodukten. Und dabei weiß ich durch Vergleich im Bekanntenkreis, dass es bei uns in der Tat besser ist als in vielen anderen Unternehmen. Meine Frau berichtete schon von Formbriefen, die in Excel geschrieben wurden und neulich erzählte mir ein Bekannter von e-Mails, die als PDF Anhang verschickt wurden. Brrrrrr.

Oft wird heute ganz selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Leute mit Mailclient, Kalender, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware umgehen können. Groupware, Chat und Videokonferenzsysteme kommen zunehmend auch zu diesem Kanon des digitalen Wissens. Aber kaum ein Bewerbungsverfahren prüft das und schon gar nicht werden Auffrischungskurse nahegelegt (wär ja noch schöner, ich weiß doch wie man mailt…). Die geneigten Leser mögen sich selbst mal fragen ob sie irgendwann schon mal eine Schulung in den genannten Produkten hatten und wenn ja, wie lange das schon zurück liegt. Und irgendwann mal aufgefrischt? Im Ernst: Es tut sich regelmäßig Neues, da gibt es Funktionen zu entdecken! Wir neigen aber dazu anzunehmen, dass jemand sich mit den genannten Werkzeugen auskennt sobald genug Zeit damit verbracht worden ist. Das Wissen scheint dann zeitlos zu sein, einmal Gelerntes bleibt gültig. Yey!

Unternehmen schicken Topmanager auf „Executive Leadership Seminare“ in denen sie lernen, dass Digitalkompetenz essentiell für „Innovation culture“ und „Disruption“ sei und dabei haben die selbst keinen Dunst wo in ihrem Mailclient die Rechtschreibkorrektur ausgelöst wird und dass man im Kalender verschiedene Farben einstellen kann… Von so fortgeschrittenen Funktionen wie BCC oder dem Unterschied von „Reply“ und „Reply All“ will ich gar nicht sprechen.

Heutzutage kann man ja schon froh sein wenn die Bildungselite ihr Telefon und dessen Freisprechanlage richtig bedienen kann…

Digitalkompetenz? Du mich auch.

Was wir brauchen ist kompetente Kommunikation, kompetente Selbstorganisation und Fantasie. Wenn dann noch Neugierde auf technische Möglichkeiten dazukommt, dann können wir konkurrenzlos die Welt aus den Angeln heben.

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Mit Podcasting Geld verdienen

Ob man mit Podcasting Geld verdienen kann wird in der hiesigen Podcasting Szene immer wieder heiß diskutiert wobei besonders gerne der Vergleich mit der US Szene oder den erfolgreichen Vertretern hierzulande angestrengt wird. Ich glaube aber, meistens geht die Diskussion am Thema vorbei bzw. wir sollten uns mal über Mehrwert unterhalten…

Ein kleines Beben ging dieser Tage durch meine schnuckelige Filterblase als Sebastian Bartoschek erklärte, dass er einige seiner Projekte in Zukunft hinter eine Paywall packen würde, es sei denn die Hörer würden sich aufraffen ihm mindestens 110$ monatliche Spende bei Patreon zukommen zu lassen.

Derart frontal aufgefordert bewegten sich dann doch immerhin 13 Hörer. Der so zusammen gekommene Betrag war aber natürlich deutlich niedriger als das geforderte Lösegeld und so ist Bartocast nun nur noch für eben diese zahlenden Kunden hörbar. Weitere Projekte sollen folgen. Gewonnen haben nur diese 13 etwas, nämlich Exklusivität und Sebastian, der hat etwas verloren, nämlich seine angeblich vorhandene Hörerschaft. Die Hörer? Naja, hätten die das Gefühl etwas verloren zu haben, dann würden sie ja zahlen, oder?

Wofür man ihm aber dankbar sein muß ist die dadurch in Gang gesetzte Diskussion. Die Frage nämlich, wie man Geld mit Podcasts verdienen kann, ist ja durchaus immer wieder aktuell und berechtigt. Besonders in Deutschland scheint das ein Problem zu sein, denn nur wenige bekannte Beispiele können von sich behaupten ihren Lebensunterhalt mit der Produktion von Podcasts bestreiten zu können…

Ich möchte mich jetzt auch mal dem Thema nähern und zwar indem ich drei Aspekte herausarbeite: Den „abschöpfbaren“ Wert von Podcasts, wie der zusammengesetzt ist und über welche Geschäftsmodelle das möglich ist. Zum Schluß ende ich dann mit einer mehr oder minder steilen These, die vielleicht nicht jeder gut finden wird (das wird mir die Reaktion zeigen).

Der Wert von Podcasts

Podcasts sind ein nicht wegzudiskutierender Bestandteil der Medienlandschaft. Laut der ARD-ZDF Onlinestudie hören immerhin 13% Podcasts und 15% hören zeitversetzt Radioprogramme und im Jahr 2013 (ich konnte keine neueren Zahlen finden ohne Geld dafür auszugeben) gab es 3,4 Millionen Käufer für Hörbücher. Nennen wir all diese Leute ruhig „audio-affin“ und ich stelle mal die Vermutung auf, sie wären dem Medium Podcast gegenüber entweder positiv eingestellt oder eben schon Teil der Hörerschaft.

Wir haben also einen Markt und auf diesem Markt wird auch Geld bewegt. Die genannten Radiosendungen werden schließlich schon heute entweder durch GEZ Gebühren oder per Werbung monetarisiert. Das können sie deswegen weil sich die Hörerschaft von beliebigen Sendungen im Radio an schlechten Tagen und zu Nebenzeiten immer noch in den zehntausenden bewegt. Hörbücher werden in der Regel direkt angeboten und gekauft.

Podcasts sind in diesem Bild schon allein deswegen eine brotlose Kunst weil der Markt momentan bereits verteilt ist, incl. Marktzugang und Zahlungswesen. Weder bei Audiobüchern, noch bei Radioprogrammen besteht irgendeine Unklarheit über Angebot und Bezahlmethoden. Außerdem ist ein Qualitätsstandard gesetzt, man weiß als Konsument was zu erwarten ist.

Besteht man darauf, den Wert von Podcast Produktionen in diesem Licht zu beschreiben und rein monetär auszudrücken, dann lässt sich Folgendes beobachten:

  • Es gibt keinen gesetzten Qualitätsstandard. Es lassen sich Podcasts auf dem ganzen Spektrum von grottenschlecht bis brilliant finden und das nicht nur inhaltlich sondern auch bezogen auf die reine technische Qualität. Das ist ein Problem wenn es an die Monetarisierung geht: Ein Katalog wie Audible ihn bietet lässt sich so kaum aufbauen, eine Mediathek nach dem Muster großer Medienhäuser ebensowenig.
  • Ich bin mir nicht sicher ob es ein noch schwieriger zugängliches Medium gibt als Podcasts. Verglichen mit Radio und Hörbüchern erfordert das Podcastuniversum vom Hörer einiges an Einarbeitung, wir verlangen also Investition (Zeit, Lernaufwand) von unseren Hörern und zwar mehr als die genannten anderen Medien.
  • Und die Bezahlung? Für Radio zahle ich nach der GEZ nichts mehr, auch die Werbemonetarisierung ist für den Konsumenten barrierefrei, Audible nimmt einmalig meine Kreditkarte und gut…
    Bei Podcasts hingegen: Affiliate Links (gehe auf die Seite, folge dem Link), PayPal (braucht einen Account), Flattr (braucht auch einen Account), Patreon (was war das noch gleich?), …

Wir machen es unseren Hörern also auf allen Fronten schwer.

Aber mal angenommen, wir haben all diese Hürden genommen: Wir haben Hörer, die wissen wie sie uns bezahlen können. Ab hier können wir dann doch über den Wert des Podcasts reden, oder? Fast. Eigentlich reden wir da ja nicht über den Wert des Podcasts sondern über den der Hörer, oder? Wir fragen uns: Wie viel Geld lässt sich aus den Menschen „gewinnen“, die unserem Format folgen… Und genau diese Denke ist meiner Meinung nach zu kurz gesprungen. Denn der Wert, den ein Podcast bietet lässt sich in mehr ausdrücken als liquiden Mitteln. Und ich möchte gerne den Mehrwert in zwei Richtungen ausdrücken, nämlich für den Hörer und für den Podcaster…

Für den Hörer:

  • Der Wert des Inhalts: Bietet der Podcast inhaltlich etwas, das einen Mehrwert gegenüber anderen Formaten darstellt?
  • Der Produktionswert: Ist der Inhalt auf eine unterhaltsame, interessante, besonders zugängliche oder originelle Art aufbereitet?
  • Die Zugänglichkeit: Bietet mir der Podcast zusätzliche Services/Inhalte (z.B. Shownotes oder weitere Materialien, etwa Videos etc.)?

Für den Podcaster:

  • Branding: Ein Podcast ist ein sehr persönliches Medium und dazu geeignet, seinen Host als Experte in einem Themenfeld zu positionieren oder andere Eigenschaften zu betonen, die man im Marketing als Branding bezeichnen würde. Branding ist für sich genommen bereits bares Geld wert, kann es doch zu Aufträgen, Marktzugang etc. führen…
  • Aktivierbare Hörerschar: Podcasthörer sind loyal und hören aktiv zu. Je mehr Menschen zu dieser Community zählen, desto mehr Hebel hat man durch eine direkte Ansprache. Es gibt wenig, das so wertvoll (und ja, auch monetarisierbar) ist wie diese Aufmerksamkeit. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann sind aktive Hörer der vielleicht wichtigste Aspekt einer Wertkalkulation.
  • Resonanzraum: Das Feedback, das Hörer geben wird oft unterschätzt. Dieser Aspekt geht Hand in Hand mit dem vorgenannten, zielt aber auf die Entwicklung von Inhalten, Produkten etc. oder auch persönlicher Entwicklung. Podcasthörer sind eine sehr aufgeschlossene, überdurchschnittlich gebildete Community. Feedback aus diesen Reihen ist Gold wert…

Der Wert von Podcasts setzt sich aus all diesen Elementen zusammen und der Wert muss für alle Beteiligten ausgeglichen sein damit der Kuchen anwächst. Jeder der genannten Aspekte ist bares Geld wert. Es ist eine Frage des Produzenten ob er versucht Geld zu gewinnen und wo er das dann investieren will. Und das bringt mich zu einem Blick auf mögliche

Geschäftsmodelle für Podcaster

Zunächst sei eines gesagt: Man kann ein erfolgreicher Podcaster sein ohne auch nur einen Cent einzunehmen. Wenn nämlich der Wert hauptsächlich darin besteht, viele Menschen zu erreichen oder in der persönlichen Entwicklung liegt, dann mag Geld vielleicht nie oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Hier geht es aber jetzt um Geschäftsmodelle und das definiere ich jetzt der Einfachheit als den Versuch, Podcasts zur Geldgewinnung einzusetzen. Wenn man Geld ins Spiel bringt, dann muss man sich selbst zuerst die Frage stellen, was das Ziel des Ganzen ist: Es macht einen Unterschied ob man laufende Kosten senken, Investitionen tätigen oder seinen Lebensunterhalt damit sichern will.

Die zweite Frage ist dann: Was soll verkauft werden und an wen? Denn das ist die Frage die ein Geschäftsmodell letztlich beantwortet: Produkt, Kunde, wie sollen beide zueinander finden?

Das Produkt muß etwas sein, das einen Mehrwert stiftet und einen Preis haben kann. Für Podcaster sind das folgende Elemente:

  • 1: Der Inhalt des Podcasts
    Das einfachste Modell: Man verkauft den Inhalt direkt. In der extremsten Form packt man alles hinter eine Paywall, man kann aber auch alte Folgen gebündelt anbieten oder auch nur freiwillige Teilzahlungen via Patreon und Flattr nehmen. Das ist das derzeit etablierte Modell in der Szene. Auch gezieltes Crowdsourcing fällt hier rein.
  • 2: Ein mit dem Podcast in Zusammenhang stehender Inhalt/Service
    Exklusiv Content, Texte, Lehrmaterialien, Trainings… Die Liste kann beliebig lang werden. Mein Lieblingsbeispiel für ein solches Modell ist der Slow German Podcast von Annik Rubens. Sie richtet sich an Deutsch-Lerner. Der Podcast selbst ist kostenlos, aber Vokabellisten etc. gibt es nur für Abonnenten.
  • 3: Die Hörer
    Wer hofft mit Werbung sein Geld zu machen, der verkauft letztlich den Zugang zu den Hörern. Egal ob nun Sponsorships oder Werbung auf der Webseite, beides funktioniert nur wenn es genug Hörer gibt. Dabei muss die Zahl gar nicht besonders groß sein, vielmehr ist es wichtig den richtigen Sponsor zu finden. Ich tue mich mit Werbung in Podcasts ehrlich gesagt eher schwer, aber es ist ein legitimes Modell. In den USA ist das auch das dominante Monetarisierungs-Modell was sicherlich unter anderem daran liegt, dass dort keine GEZ existiert und deswegen alle Medienproduzenten schon sehr lange die Monetarisierung über Werbepartner suchen…
  • 4: Der Podcaster selbst
    Mancher Podcast dient der Kundenacquise oder dem Aufbau von persönlichem Marktwert. Monetarisiert man dann über Auftragsarbeiten oder Leads, die direkt aus dem Podcast generiert werden, dann setzt man sich selbst als „Produkt“ ein. Oder noch direkter: Wer sich etwa von seinem Arbeitgeber bezahlen lässt um einen Podcast zu produzieren verkauft auch sich selbst und seine Expertise…
  • 5: Produkte, die nicht direkt mit dem Podcast in Zusammenhang stehen
    Mancher Podcast dient dazu, Kunden anzuziehen, die dann ein Newsletter abonnieren, eine Seite besuchen um dort dann eBooks, Kurse etc. zu kaufen. Eigentlich ist es eine Form des Hörer-Verkaufens, nur dass der Gewinn schließlich irgendwann über mehr oder weniger virtuelle separate Inhalte gemacht wird. Praktisch alle sogenannten Business-Podcasts, die ich bisher gefunden haben versuchen das. Man abonniert einen Podcast über Zeitmanagement, der einen auf die Seite zum Projekt lotst und auffordert, das Newsletter zu abonnieren… Hier wird dann irgendwann z.B. ein e-Book angeboten wie man seinen eigenen Podcast produziert oder eines über passives Einkommen etc…
  • 6: Stiftungen/Förderungen
    Wer es schafft, die Kriterien für einen Fördertopf zu erfüllen und etwa als Kulturgut gefördert zu werden, fällt in diese Kategorie. Der Unterschied zu klassischen Sponsorships ist für mich, dass dann die Hörerschaft sekundär wird. Es geht um den Podcast als Medienprodukt.

Alle diese Modelle haben jedenfalls etwas gemeinsam: Es muss ein „verkaufbarer“ Wert existieren. Der will geschaffen werden. Aus dem investierten Aufwand, der Qualität des Produkts, der Originalität und dem Bedarf am Markt ergibt sich dann ein erzielbarer Preis. Und genau das bringt mich zum letzten Teil dieses Artikels…

Mit Podcasting Geld verdienen (und eine These zum Abschluss)

Schauen wir uns die Podcaster in Deutschland an, die bekanntermaßen Geld mit Ihrer Arbeit verdienen, dann glaube ich ein paar Muster zu erkennen… Aber ich will nicht vorgreifen sondern erst mal ein paar Beispiele bringen:

Tim Pritlove: Tim ist Betreiber der Metaebene und verdient seine Brötchen überwiegend durch Modell 1 (Inhalt) und zum Teil auch durch Auftragsarbeiten/andere Produktionen (Modell 4). Dabei ist der Content zunächst einmal frei verfügbar und seine Hörer beteiligen sich via Flattr und Amazon Geschenke oder direkte Spenden. Er hält einen weiten Abstand von allem was seine Hörer verkauft und vertritt eine sehr reine Ethik was das angeht. Er ist ein hochproduktiver Podcaster. Seine Podcasts haben allesamt ein sauberes inhaltliches Konzept, sind technisch auf Radioniveau produziert und bieten unterschiedlichen Mehrwert, meist mit Bildungsanspruch. Kurz gesagt: Tim „verkauft“ Premium-Content, viel davon. Er selbst dürfte aus seinen Produktionen aber fast noch mehr Wert in Form von Brandvalue bekommen als er direkt per Flattr & co einnimmt. In Deutschland kann man an Tim nicht vorbei wenn man sich mit Podcasts beschäftigt und er ist eine international bekannte Figur.

Radio Nukular: Die Jungs von Radio Nukular nehmen inzwischen monatlich über 3000$ durch Patreon ein. Sie verkaufen dabei in erster Linie thematisch auf Mainstream Hörer ausgelegtes Entertainment. Die Inhalte finden manche lustig, die Produktionsqualität ist hoch. Via Affiliate Links und Werbung monetarisieren die Jungs auch ihre Hörer (von denen es inzwischen stolze Zahlen geben dürfte) und verkaufen zusätzlichen Content (etwa auch in Form von bezahlten Live Shows). Last but not least haben sie separate Produkte wie etwa Fanartikel. Radio Nukular monetarisieren auf allen Ebenen.

Annik Rubens: Annik kann von ihren Podcast eigenen Aussagen nach bisher nicht leben, aber sie verdient ein angenehmes Zubrot. Speziell bei Slow German wählt sie dafür die Form des Premium-Contents und lässt sich damit für Zusatzinhalte bezahlen. Man kann Annik natürlich auch für journalistische Arbeit buchen. Annik investiert einen kompletten Tag pro Woche in ihre Podcasting Arbeit und produziert inhaltlich wie technisch hochwertige Formate.

Alexander Waschkau: Alexander macht eine ganze Reihe angesehener Podcasts. Man kennt ihn von Hoaxilla, vom Psychotalk, aus Schall und Rauch oder von der Glaubenssache. Jedes dieser Formate hat eine hohe technische Qualität und die drei Wissens-lastigen Formate sind inhaltlich hochwertig aufbereitet. Die Monetarisierung von Alexander ist vielschichtig. Er setzt auf seine Hörer indem er ein Sponsorship-Angebot von Audible angenommen hat und damit auch auf Affiliate Umsätze hoffen dürfte. Außerdem schreibt er Bücher, produziert Videoformate und unterhält ein Subscription Modell mit Premium Inhalten. Last not least monetarisiert er Inhalte über Patreon und Flattr. Trotz all dieser Standbeine kann er eigenen Aussagen nach längst noch nicht davon leben.

Diese Beispiele sollen zeigen wie die Mischungen aussehen mit denen Podcaster hierzulande versuchen Geld zu verdienen. Was allerdings auch ziemlich offensichtlich ist: Es funktioniert in der Regel nicht in dem Umfang, den sich manche wünschen würden. Woran kann das liegen? Es ist wie so oft vielschichtig (aber ich habe einen Favorit):

  • Hörer: Mit sehr wenigen Ausnahmen haben Podcasts hierzulande zu wenig Hörer. Wir haben ein Discovery-Problem und machen es den Leuten extra schwer. Klar ist: Wer 500 Hörer pro Episode hat, kann nicht darauf hoffen tausende Euro durch Werbung zu verdienen.
  • Inhalte: Du produzierst einen Podcast in dem Du über die Themen sprichst, die gerade so anliegen, etwa Filme… Tagesgeschehen… Technik? Gut für Dich, sicherlich auch gut für Deine Fans, aber das ist kein Inhalt, der Geld wert ist, denn Du stehst in Konkurrenz mit HUNDERTEN Angeboten, die denselben Inhalt in hochwertiger produzieren. Bevor man also monetarisieren will, muss ein Inhalt her, der wirklich Geld wert ist. In Startup-Sprech nennt sich das Product-Market-Fit.
  • Qualität: Nicolas Semak hat sich vor einiger Zeit einmal kontrovers dazu geäußert wie es um die inhaltliche und technische Qualität in Deutschlands Podcasts bestellt ist. Die Warheit ist: Er hat nicht ganz unrecht. Immer wenn Podcaster hierzulande auf die US Podcastszene deuten und jammern weil die erfolgreiche Formate auf den Markt bringen und manchmal geradezu obszönes Geld mit Werbung verdienen weise ich auf den Aufwand hin, der da investiert wird. Während in Deutschland in der Regel alles aus einer Hand als Hobby produziert wird, sind das in den USA ganze Teams mit Spezialisten für das Schreiben, die Aufnahme, die Nachbearbeitung, etc… Es wird Marketing gemacht, Wochen an Arbeit werden in 30 Minuten Produktionen investiert… Das muss man jetzt nicht unbedingt nachmachen, aber wenn wir eine Wertrechnung aufmachen und über Geschäftsmodelle nachdenken, dann sollten wir auch den Aufwand mit einbeziehen.

Mein Fazit: Die Diskussion um die Monetarisierung von Podcasts geht am Punkt vorbei… Erstens wird sie gerne auf Bargeld reduziert und vergisst dabei all die anderen Aspekte. Zweitens verwechseln Podcaster gerne ihre existierenden Hörerzahlen mit einem Beweis dafür, dass sie etwas produzieren, das konkurrenzfähig ist. Nur vergessen sie dabei, dass die bereits existierenden Hörer auch schon Kunden sind. Allerdings bezahlen sie bisher ausschließlich mit Aufmerksamkeit und Aufwand, nicht mit Geld. Wenn nun ein Preis eingeführt wird, verliert man Kunden, denn man erhöht bei gleichbleibendem Angebot die Gesamtkosten. So simpel ist das. Bleibt es eine freiwillige Abgabe, dann kann man evtl. ein paar Cent einnehmen, darf aber nicht mit großen Beträgen rechnen. Nur die Podcaster mit großen Hörerzahlen kommen damit auf brauchbare Summen. Letztlich ist unsere Unfähigkeit mit Podcasts Geld zu verdienen nur durch einen Punkt zu erklären:

Wir produzieren derzeit kaum etwas konkurrenzfähiges für das unsere Hörer bereit sind zusätzlich Aufwand und Geld zu investieren. Um Geld zu verdienen, müssen wir also entweder den Aufwand senken, den wir unseren Hörern abverlangen, oder wir erhöhen die Qualität unserer Produktionen, sonst wird das nichts. 

Oder so: Wer professionell bezahlt werden will, muss auch professionelle Produkte liefern und für den Markt statt für sich selbst produzieren. Nur wenige in unserer Szene tun das derzeit. Wir produzieren für uns selbst, was auch toll ist (ich mache das selbst), aber dann dürfen wir uns auch nicht beschweren wenn der Geldregen ausbleibt…

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Ist die Welt denn verrückt geworden?

Dinge, die mich dieser Tage bedrücken:

  • Täglich brennende Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland und Übergriffe. Warum nennt das trotzdem niemand Terrorismus?
  • Ein Anschlag in Frankreich der prompt mit Bomben beantwortet wird.
  • Politiker, die hierzulande danach rufen Familiennachzug zu begrenzen. Ich frage mich, wie die Herrschaften mit ihren eigenen Familien verfahren würden wenn sie zur Flucht gezwungen wären…
  • Zäune und Grenzschließungen in eine Kontinent, der behauptet freiheitsliebend zu sein.
  • US Governors, die nichts besseres zu tun haben als öffentlich kund zu tun sie würden keine syrischen Flüchtlinge aufnehmen um keine Gefährder ins Land zu lassen. Das nennt man Sippenhaft, oder? Hunderttausende dem Tod überlassen um sich vor ein paar Dutzend zu schützen? Und das in einem Land in dem mehr Waffen legal gelagert sind als Einwohner…
  • Ignoranz gegenüber den vielen, vielen Distanzierungen der arabischen Welt aber immer weniger öffentlicher Widerstand gegen tausende regelmäßig marschierende Xenophobe…
  • Milliarden, die dafür ausgegeben werden Menschen zu töten und Länder in die Steinzeit zu bomben statt die selben Milliarden zu verwenden sie aufzubauen.
  • Unkommentiert gesendete Fernsehauftritte von Politikern wie de Maizière bei denen offensichtliche Dummheiten gesagt werden.
  • Angebliche Leitkulturen in denen ganz offensichtlich Vollhorste wie Donald Trump eine echte Chance auf hohe Ämter haben. (Oh, Donald Trump’s Statement zu den Anschlägen in Paris? Logisch: Wenn in Frankreich Waffen so verbreitet wären wie in den USA, wäre das nicht passiert… Ernsthaft.)
  • Ausnahmezustände, die verhängt werden.
  • Sicherheitsgesetze, die verschärft werden.
  • Länder, die sich abschotten und sämtliche Kommunikation überwachen.
  • Länder, die diese Kommunikation als Grundlage für Strafverfahren verwenden.
  • Länder, die einen Index einführen mit dem Dein Status und Karrierechancen daran bemessen werden wie systemkonform die Leute mit denen Du vernetzt bist agieren.
  • Vom Westen finanzierte Gefangenen-, Flüchtlings- und Auffanglager an den Grenzen in denen – jawohl – Menschen einfach so eingesperrt, verhört oder schlicht sich selbst überlassen werden können.
  • Filme wie „The Hunger Games“, die immer mehr nach Realsatire als nach Science Fiction aussehen.

Ja, ich glaube die Welt ist verrückt geworden. Vielleicht war sie es auch eigentlich schon immer.

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